Tipps und Material zum Weiterbilden

Diskriminierungssensible Sprache und Behinderung

Im Zuge unserer Recherchen zum Thema sind wir auf viel hilfreiches Material gestoßen, das eine vertiefende Auseinandersetzung zum Thema ermöglicht. Wir haben hier eine Auswahl zu den Themen vielfaltssensible Sprache, sprechen über Menschen mit Behinderungen, Leichte und Einfache Sprache und Diskriminierung von Menschen mit Behinderung zusammengestellt:

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Die Werte der AWO in Wort und Schrift

Die Broschüre „Die Werte der AWO in Sprache und Schrift. Bausteine zum vielfaltssensiblen Formulieren“ des AWO Bundesverbandes soll die Werte der AWO und die damit verbundenen Organisationsentwicklungsprozesse zu Gleichstellung, Inklusion und Vielfalt in Sprache, Schrift und Bild sichtbar werden lassen. Es gibt konkrete Anregungen anhand einer Checkliste und der fünf Bausteine: 1. Geschlechtergerechte Sprache, 2. Rassismuskritische Sprache, 3. Diskriminierungssensible Sprache im Hinblick auf Behinderung, 4. Leichte Sprache und 5. Vielfaltssensible Bildgestaltung.

Download der Broschüre

Sprechen über Menschen mit Behinderungen

Das Projekt Leidmedien.de ist ein Team aus Medienschaffenden mit und ohne Behinderung, das Redaktionen berät. Ihr Anliegen ist Medienkritik, der Austausch mit betroffenen Expert*innen und das Aufzeigen von Formulierungsalternativen und Perspektivwechsel in der Berichterstattung. Leidmedien.de ist ein Projekt der SOZIALHELDEN– ein Netzwerk ehrenamtlich engagierter Menschen, die sich mit verschiedenen Aktionen für soziale Gerechtigkeit einsetzen.

Vor dem Hintergrund unseres Schwerpunktthemas und unserer Debatte über den sogenannten Blinden Fleck, haben wir uns auch an den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband gewendet. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) vertritt Menschen, die sehbehindert oder blind sind bzw. deren Erkrankung zu Sehbehinderung bzw. Erblindung führen kann. Der DBSV hat auf der Grundlage von Diskussionen zur diskriminierungsfreien Wortwahl die unter diesem Link aufgeführten Bezeichnungen für die vom Verband vertretenen Personengruppen für angemessen erklärt:

Der Leitfaden „Auf Augenhöhe“, herausgegeben durch den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, wurde vor dem Hintergrund erstellt, dass Medien einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie die Gesellschaft behinderte Menschen wahrnimmt und mit ihnen umgeht. Durch eine veränderte Darstellung und sensible Sprache können Berührungsängste abgebaut und Ausgrenzung vermieden werden. Dieser Leitfaden bietet Unterstützung, um diskriminierende Darstellungen behinderter Menschen zu vermeiden.

Der Leitfaden „Ausgesprochen Vielfältig“ gibt Anregungen für diversitätssensible Kommunikation in Sprache und Bild. Herausgegeben wurde die Handreichung von der Koordinierungsstelle zur Förderung der Chancengleichheit an sächsischen Universitäten und Hochschulen. Die Broschüre enthält unter anderem gute Anregungen für einen diskriminierungsarmen Sprachgebrauch.

In Folge 10 des Bayern2-Podcasts „Die Neue Norm“ sprechen Judyta Smykowski, Jonas Karpa und Raúl Krauthausen darüber, wie Sprache diskriminierungsfrei und sensibel benutzt werden kann. Im Rahmen der Gespräche wird über die vermeintliche „Normalität“, über Vielfalt, Inklusion und das Leben von Menschen mit Behinderung gesprochen. Alle Folgen des empfehlenswerten Podcasts findet ihr hier:

Leichte Sprache / Einfache Sprache

Leichte Sprache im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention hat das Ziel, Menschen mit Leseschwierigkeiten die Teilhabe an Gesellschaft und Politik zu ermöglichen. Sie folgt bestimmten Regeln und zeichnet sich unter anderem durch kurze Hauptsätze aus, weitgehenden Verzicht auf Nebensätze, die Verwendung von bekannten Wörtern, während schwierige Wörter erklärt werden.

Für die Einfache Sprache gibt es kein Regelwerk. Sie ist durch einen komplexeren Sprachstil gekennzeichnet. Die Sätze sind länger, Nebensätze sind zulässig und sämtliche im Alltag gebräuchlichen Begriffe werden als bekannt vorausgesetzt. Fremdwörter sollten allerdings auch hier nach Möglichkeit vermieden werden, ansonsten sind sie zu erklären. Texte in Einfacher Sprache sind für viele Menschen hilfreich, zum Beispiel für Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche, ältere Menschen und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder auch Tourist*innen. Auch Menschen, die nicht zu den genannten Zielgruppen gehören, können von Einfacher beziehungsweise Leichter Sprache profitieren.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk Leichte Sprache“ die Publikation „Leichte Sprache – Ein Ratgeber“ herausgegeben. Sie enthält Hinweise zu den Regeln der Leichten Sprache und vermittelt wie Texte in Leichter Sprache vermittelt werden können und was bei der Organisation von Veranstaltungen berücksichtigt werden sollte.

Das Netzwerk Leichte Sprache bietet Hilfe für die Übersetzung von Texten in Leichte Sprache.

Ableismus und Behindertenfeindlichkeit

Ableismus – aus dem Englischen „Abelism“ – wird häufig mit Behindertenfeindlichkeit ins Deutsche übersetzt und damit die Diskriminierung gegenüber Menschen mit einer Behinderung beschrieben. Dabei geht der Ableismus von einem physischen Standard des Menschen aus, dem eine behinderte Person nicht entspricht. Auf sozialer Ebene bedeutet es, dass Menschen mit Behinderung als ausgeschlossen und unsichtbar gelten. Menschen werden auf ihre Eigenschaft, eine Behinderung zu haben, reduziert. Damit erfahren Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag Ungleichbehandlung, Grenzüberschreitungen und stereotypen Zuweisungen.

Während der Begriff Behindertenfeindlichkeit stärker die Ebene der persönlichen Haltung beschreibt, geht der Begriff Ableismus weiter und zeigt die strukturelle Ebene der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung – beispielsweise durch die fehlende barrierefreie Ausstattung von Orten und Veranstaltungen. Ableismus nicht nur ein Denk- und Handlungsmuster, sondern auch Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Nichtbehinderte Menschen müssen sich in der Regel nicht mit Barrieren und Vorurteilen auseinandersetzen, die behinderten Menschen regelmäßig im Alltag begegnen. Die Autorin Rebekka Maskos beschreibt in diesem Artikel auf der Seite „Die Neue Norm“ die Abgrenzung der Begriffe Ableismus und Behindertenfeindlichkeit anschaulich.

Die Broschüre „Ableismus – erkennen und begegnen“ des Interessenverbands Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) erläutert was Ableismus ist und vermittelt Möglichkeiten eines Umgangs. Es werden praktische Beispiele und Handlungsoptionen dargestellt, um Ableismus zu erkennen und sich dagegen zu wehren. Damit soll Betroffenen geholfen werden, ihre Sprachlosigkeit zu überwinden und aktiv gegen Diskriminierung vorzugehen.

Aktivismus

Die Behindertenbewegung ist eine soziale Bewegung von Menschen mit Behinderung, die ihre Interessen selbst wahrnehmen wollen. Dabei geht es den Vertreter*innen unter anderem um die Sensibilisierung der Gesellschaft für behindertenspezifische Bedürfnisse, die Stärkung des Selbstverständnisses von Menschen mit Behinderung, den Kampf für Chancengerechtigkeit und damit gegen Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen. Zur bewegten Geschichte der Behindertenbewegung in Deutschland bietet dieser Artikel einen Überblick:

Im Rahmen des Projekts „Mein Leben, Meine Geschichte(n), Meine Selbstbestimmung – Zeitzeugen mit Behinderung erzählen“ erzählen 50 Zeitzeug*innen , die selber mit einer Behinderung leben, aus ihrem Leben. Damit zeichnen sie die Geschichte der Selbstbestimmt Leben Bewegung seit den 1950-er Jahren nach und hält sie so für kommende Generationen lebendig.

AbilityWatch versteht sich als Teil einer modernen Behindertenbewegung in Deutschland. Als Aktionsplattform wollen die Aktivist*innen Politik kritisch begleiten, Fragen aufwerfen und das soziale Modell von Behinderung etablieren. Eine zentrale Forderung ist die Vertretung für Menschen mit Behinderung von Menschen mit Behinderungen. Sie organisieren Demonstrationen, betreiben Öffentlichkeitsarbeit und machen mit Aktionen auf die fehlende Gleichberechtigung und mangelnde Einhaltung der UN-Behindertenrechtskonvention aufmerksam.

Einer der bekanntesten Aktivisten in Deutschland ist Raúl Krauthausen. Er ist Autor, Moderator, Medienmacher und Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit. Im Jahr 2020 startete er mehrere Podcasts, darunter der Podcast „Die Neue Norm“ und der Podcast „Wie kann ich was bewegen?“. Bei letzterem führt Raúl Krauthausen interessante und inspirierende Gespräche mit prominenten Aktivist*innen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Handlungsfeldern über ihr Engagement und die Chancen einer*s jeden Einzelnen, etwas zu verändern.

Unsere aktuellen Beiträge zur Auseinandersetzung

Mit Steven Brentrop vom Niedersächsischen Blinden- und Sehbehindertenverband haben wir über persönliche Erfahrungen mit behindertenfeindlicher Sprache und Möglichkeiten für die Stärkung eines Bewusstseins für eine diskriminierungssensible Sprache im Kontext von Behinderung gesprochen.

In unserem alltäglichen Sprachgebrauch finden wir immer wieder Ausdrücke, die Vorurteile und Diskriminierungen reproduzieren. Auch wir sind auf eine, häufig im Sprachgebrauch verwendete Begrifflichkeit gestoßen worden, als unser Erklärvideo „Diskriminierung – Was hat das mit mir zu tun?“ veröffentlicht wurde. Aus diesem Grund sind wir in unserem Projekt in einen Auseinandersetzungsprozess mit dem Begriff und dem Thema diskriminierungssensible Sprache am Beispiel von Behinderung eingestiegen.