Interview mit einer ZukunftsFörderin

ZukunftsFörder*innen sind Mitarbeiter*innen und Ehrenamtliche der AWO Thüringen, welche alle fünf Module der Weiterbildung des Projekts „ZukunftsChancen“ erfolgreich absolviert haben und als Multiplikator*innen (oder auch Demokratieberater*innen genannt) des Projekts ZukunftsChancen fungieren. ZukunftsFörder*innen haben die Aufgabe, die Inhalte der Weiterbildung fortlaufend in ihrem Arbeitsalltag mitzudenken und umzusetzen.

Kati Langenberger ist eine der ZukunftsFörder*innen im Projekt „ZukunftsChancen“ der AWO Thüringen

Kati Langenberger stellt sich vor

Liebe Kati – Könntest du dich bitte kurz vorstellen, was machst du in deinem Hauptamt & welche Aufgaben hast du?

Ich bin Quartiersmanagerin für den Erfurter Süd-Osten (Melchendorf, Wiesenhügel, Drosselberg, Herrenberg) – eine Schnittstelle zw. Stadtverwaltung und Bürger*innen. Ich verstehe mich als Ansprechpartnerin für Probleme und Fragen von Bewohner*innen des Erfurter Süd-Ostens sowie Themen rund um den Stadtteil. Ich organisiere Netzwerke und kommuniziere mit unterschiedlichen Akteur*innen aus dem Erfurter Süd-Osten (Ortsteilbürgermeister, Hauptamtliche aus Politik und Verwaltung, Ämter, Vereine, soziale Initiativen). Themen, Probleme, Anliegen werden oft an mich herangetragen, welche ich an bestimmte Stellen weiterleite oder ich selbst koordiniere die Problemlösung.

 

Wie wirkte damals die Weiterbildung zum*zur ZukunftsFörder*in auf dich?

Ich interessiere mich schon seit vielen Jahren für Themen, wie z. B. Rassismus und den Umgang damit. Die Weiterbildung beinhaltete viele Impulse: sie regte an, mich selbst zu hinterfragen und brachte mich dazu mich mit Themen wie z. B. Wertevermittlung, Systemische Beratung oder Demokratieförderung auseinanderzusetzen. Ich habe viel Neues kennengelernt und mir wurden Dinge bewusst, über die ich mir vorher keine Gedanken gemacht habe.

 

Warum engagierst du dich für die Projektthemen (z. B. Demokratieförderung, Umgang mit menschenverachtenden Einstellungen, Diskriminierung etc.) in deinem Berufsalltag bei der AWO?

Themen wie Diskriminierung, Demokratie, Vielfalt, menschenverachtende Einstellungen sind Schwerpunkte, die direkt in meiner Arbeit auftauchen bzw. dort anknüpfen können. Solche Thematiken gibt es bereits in den Netzwerkrunden und in den Begegnungen mit den Menschen hier vor Ort. Wenn ich z. B. mit Bewohner*innen spreche, dann spüren diese stets meine eigene Haltung. Im Fall von Rassismus zum Beispiel sage ich ganz klar: „Da bin ich anderer Meinung als du.“ Ich sehe es als Aufgabe einer Quartiersmanagerin für ein friedliches Miteinander zu sorgen, was auch bedeutet, dass rassistische und andere menschenverachtende Äußerungen nicht einfach so stehen gelassen werden.

 

Nachdem du die Weiterbildung zum*zur ZukunftsFörder*in absolviert hast: Was hat sich für dich nach der Weiterbildung im Arbeitsalltag geändert?

Durch die Weiterbildung wurde mir vieles bewusster und ich bekam immer mehr ein Gefühl dafür, mit was für Einstellungen ich selbst durch die Welt gehe. Welche Rassismen trage ich in mir? Ich hinterfrage viel mehr als vorher und nehme Dinge anders wahr. Im Umgang mit menschenfeindlichen Einstellungen bin sicherer als zuvor.

Zudem wurde ich darin gestärkt, Themen wie Rassismus und Vielfalt in meinen Netzwerken stärker zu bearbeiten. Mir ist es wichtiger geworden, dafür Zeit zu investieren. Dahingehend war es nötig das Netzwerk zu erweitern. Ich arbeite beispielsweise mit Mobit e.V. und ezra zusammen, um Themen im Quartier herauszuarbeiten und diese bewusst als Thema zu setzen.

 

Große Themen im Projekt ZukunftsChancen sind ja Demokratieförderung, Umgang mit menschenverachtenden Einstellungen, mit Diskriminierung und mit Konfliktsituationen. Durch welche Aktionen oder Veranstaltungen konntest du bisher einen aktiven Beitrag zu den genannten Themen leisten?

Es gibt z. B. in Herrenberg rechtsextreme Vereine, die eigene Veranstaltungen, wie z. B. Kampfsportangebote für deutsche Kinder und Jugendliche oder Feste für deutsche Familien, anbieten. Diese Veranstaltungen dienen zur Verbreitung von rechtsextremen, menschenfeindlichen Einstellungen und führen zum Ausschluss von vermeintlich Nicht-Deutschen Bewohner*innen. Mit dem „Tag der Vielfalt“ und anderen Thementagen haben wir ein Gegenangebot geschaffen und die vielen Vorteile von Vielfalt sichtbar gemacht.

Eine andere Veranstaltung fand in Form eines Themennachmittags statt mit dem Thema Verschwörungsideologien. Diese diente dazu, um Leute miteinander ins Gespräch zu bringen und um Strukturen zu schaffen, damit weitere Projekte in dem Themenfeld gesetzt werden können.

 

Die Weiterbildung beinhaltet u. a. die Auseinandersetzung mit systemischer Haltung und Werten.Konntest du die „Systemische Haltung“ oder Elemente aus der „Systemischen Beratung“ für dich und/oder dein (Arbeits-)Umfeld bisher nutzen? Wenn ja, wie?

Auch wenn ich nicht großflächig beratend tätig bin, nutze ich Teile der systemischen Beratung als Haltung und Wertekompass. Es gibt mehreres was mir an der systemischen Haltung gefällt und mich weiterbringt. Zum einen der Fokus auf Lösungsorientierung (anstelle von Problemfokussierung), aber auch Menschen als Expert*innen für ihre eigene Lösung zu sehen. Und die Grundannahme: Auch wenn eine Handlung noch so absurd erscheint, ist die Absicht dahinter gut. Das alles beeinflusst stark, wie ich in Kontakt mit meiner Umwelt trete.

 

Welchen (direkten/indirekten) Mehrwert für das Quartiersmanagement, deine Kolleg*innen, andere Menschen im Arbeitsalltag gibt es durch die Weiterbildung?

Themen wie Demokratieförderung, Umgang mit menschenverachtenden Einstellungen und Diskriminierung wurden und werden vom AWO Kreisverband Erfurt sehr unterstützt. Viele meiner Kolleg*innen wissen, dass solche Themen wichtig sind und wir fühlen uns daher dafür verantwortlich, solche Themen für den Kreisverband zu setzen.

Die Weiterbildung und die Impulse vom Projekt verhalfen mir meine eigene Rolle zu hinterfragen und tragen zur Professionalisierung dieser bei. Eine gewisse Haltung zu zeigen und Impulse zu setzen, damit Diskriminierung und Rassismus (etc.) nicht unwidersprochen bleiben, ist ein Mehrwert. Mir fällt es leichter mit rechtsradikalen Einstellungen anderer umzugehen, auch Hass und Hetze zu begegnen, da es in meinem Arbeitsumfeld nicht nur Alltagsrassismus gibt, sondern auch feste Neonazi-Strukturen. Ich kann durch die gelernten Methoden und das Wissen viel besser Lösungen generieren.

 

Welchen Nutzen siehst du in den regelmäßigen Treffen der ZukunftsFörder*innen aber auch in den Angeboten vom Projekt ZukunftsChancen?

In den Netzwerktreffen bekomme ich die Möglichkeit mich mit Gleichgesinnten gezielt auszutauschen oder auch mal selbst Themen einzubringen.

Die vielen zusätzlichen Angebote und Veranstaltungen vom Projekt ZukunftsChancen nutze ich gern als Werkzeuge für meine Arbeit. Meine Werkzeugkiste hilft mir, mich auf den Weg zu machen und anderen Menschen mit neuen Grundannahmen, Herangehensweisen und Sichtweisen zu begegnen. Der Kontakt mit dem Projektteam sowie mit den anderen ZukunftsFörder*innen ist sehr wertvoll, da wir mit ähnlichen Zielen arbeiten. Zudem schätze ich, dass ich durch die Treffen, Weiterbildungen und die Angebote vom Projekt immer wieder die Möglichkeit zur Selbstreflexion bekomme.