AWO Landesverband Thüringen e.V.

Projekt „ZukunftsChancen – Ausbau demokratiefördernder Strukturen“

Projektbeschreibung

Das Projekt „ZukunftsChancen – Ausbau demokratiefördernder Strukturen“ setzt sich für mehr Teilhabe von Menschen und die Etablierung demokratischer, partizipativer Strukturen im AWO Landesverband Thüringen e. V. ein. Durch mehr Teilhabe soll der Verband auch in Zukunft seine selbstauferlegte Aufgabe, Menschen in allen Lebenslagen zu unterstützen und ihnen zu helfen, meistern können. Denn Hilfe kann nur gemeinsam – in Zusammenarbeit zwischen Hilfesuchenden und Helfenden – gestaltet werden und nicht von oben herab diktiert werden. Hierfür ist es nötig, Demokratie und Partizipation im Verband zu stärken. Nur so wird eine Begegnung auf Augenhöhe möglich.

Daraus folgt unter anderem auch, dass sich das Projekt aktiv für die innerverbandliche Auseinandersetzung und klare Positionierung gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit engagiert. Denn ein Recht auf Teilhabe und Partizipation haben alle! Hierzu organisiert das Projekt Veranstaltungen, Workshops und ähnliche Formate, die zur Sensibilisierung des Hauptamts, des Ehrenamts und der Mitglieder des AWO Landesverbandes beitragen sollen.

Zudem setzt sich das Projekt intensiv mit dem Thema „Wertebasierter Wohlfahrtsverband“ auseinander und arbeitet kontinuierlich an Maßnahmen und Handlungsempfehlungen, die garantieren sollen, dass die Werte und das Leitbild der AWO in der alltäglichen Arbeit des Haupt- und Ehrenamts gelebt werden und gelebt werden können.

Für die nächsten Jahre möchten wir mit einigen Kreisverbänden eng zusammenarbeiten, um dort Diskriminierung weitestgehend zu verbannen und Modelle der Partizipation zu entwickeln, die sich einfach und passgenau auf andere Kreisverbände übertragen lassen. Außerdem wollen wir eine Antidiskriminierungsstruktur aufbauen, die es Betroffenen erleichtert, sich Unterstützung suchen zu können. Wie in den letzten Jahren auch, wollen wir auch dieses Mal engagierte Menschen aus der AWO zu ZukunftsFörder*innen ausbilden.

ZukunftsFörder*innen

Wie bereits in den vergangenen Jahren werden im Rahmen des Projektes bis Ende 2024 engagierte Menschen aus der AWO zu „ZukunftsFörder*innen“ ausgebildet.

Ziele der Ausbildung

  • Handlungskompetenzen im Umgang mit gesellschaftlichen Spannungsthemen, Konflikten und Diskriminierung erweitern
  • Tieferes Verständnis für systemische Beratung sowie die Anwendbarkeit des Wissens in der Praxis
  • Ausbau des Netzwerks von verbandsinternen Berater*innen in der AWO Thüringen

Inhalte der Ausbildung

Modul 1: Theoretische und praxisorientierte Grundlagen der Beratung

  • Auseinandersetzung mit eigenem Beratungsverständnis und Haltungen
  • Kompetenz in Gesprächsgestaltung, Fragetechniken, Hypothesenbildung, Auftragsklärung
  • Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Beratung, eigene Rolle im Verband
  • Erlerntes an praktischen Beispielen konkret anwenden und ausprobieren

Modul 2: Vielfaltssensibler Umgang und Diskriminierung

  • Reflektieren eigener kultureller Prägung, erlebter kultureller Phänomene und Sprache
  • Förderung von Vielfalt, Umgang mit Ausgrenzung und Diskriminierung
  • Vertiefung systemische Beratung und praktische Anwendung

Modul 3: Konfliktbearbeitung

  • Analyse, Entstehung, Bearbeitung, Lösungsfindung von/ bei Konflikten
  • Betrachtungsweise von Konflikten
  • Deeskalation und Möglichkeiten der Konfliktprävention

Modul 4: AWO im Sozialraum und Beteiligungsförderung

  • Werte und Leitbild der AWO, gesellschaftspolitischer Gestaltungsauftrag, Perspektiven des Mitgliederverbandes
  • Moderation – Vermittlung von Haltung, Techniken und Methoden
  • Vertiefung systemische Beratung

Modul 5: Veränderungsprozesse gestalten

  • Eigene Rolle als Ansprechpartner*in
  • Demokratie im Kleinen erlebbar machen
  • Projektkonzeptionierung und Umsetzung
  • Abschluss und Aussichten

Über die Ausbildung hinaus stellt das Projektteam Begleitung, Beratung und Fördermittel für themenverwandte Projekte zur Verfügung. Zur Begleitung gehören unter anderem weitere Fachtage, in denen das gelernte Wissen ergänzt, vertieft und aufgefrischt werden soll.

Themenschwerpunkte der Weiterbildung und ihre Vertiefungen

  • „Was würdest du tun?“ Umgang mit schwierigen Fällen und Herausforderungen im Alltag eines*r Multiplikator*in zur Demokratieförderung
  • Moderationstraining im Kontext undemokratischer Aussagen – Besprechungen / Beratungen zum gewünschten Erfolg führen und einvernehmlich Resultate erzielen
  • Was heißt Beratung? Das Beratungsverständnis als Multiplikator*in und der Umgang damit in der Praxis
  • Den eigenen Methodenkoffer füllen – Best Practice Methoden für erfolgreiche Seminare zum Thema Demokratie
  • Alltagsrassismus erkennen und argumentieren
  • Kompetent im Konflikt durch „Systemische Gesprächsführung“
  • Projektidee bis -management

Demokratieberatung vor Ort

Beratung

Das Projektteam bietet – in enger Zusammenarbeit mit den ZukunftsFörder*innen – sog. Systemische Beratungen an. Die ZukunftsFörder*innen sind ausgebildete systemische Beraterinnen und können Sie beispielsweise bei Veränderungsprozessen oder in Konfliktsituationen beraten.

Anders als in klassischen Beratungskonzepten – beispielsweise die Arzt-Patient*innen-Beratung oder die Expert*innen-Beratung – versteht sich die beratende Person selbst nicht als ein*e Expert*in. Vielmehr soll versucht werden, durch gezielte Fragestellungen und ausgewählte Beratungs- und Fragemethoden (bspw. Stuhldialog oder zirkuläre Fragen) sowie dem formulieren von Hypothesen der ratsuchenden Person dabei zu helfen, auf eigene Lösungsideen zu kommen. Die Hypothesen sollen dazu beitragen, dass die Perspektive der Ratsuchenden sich erweitert, sie Zusammenhänge neu verstehen und über problematische Themen anders nachdenken als zuvor. Fragen dienen dazu, dass Berater*in und Klient*in den*die Klient*in besser kennenlernen und neugierig auf mehr machen. Dadurch soll dem*der Klient*in gezeigt werden, welche Potenziale in ihm*ihr stecken und zeigen, dass er*sie am meisten von sich selbst lernen kann. Im Fokus der Lösungsstrategien stehen die bereits vorhandenen Ressourcen des*der Ratsuchenden sowie die Möglichkeiten einer Erweiterung seiner*ihrer Handlungsspielräume.

Dieser Ansatz vermittelt ein wertschätzendes Menschenbild, das davon ausgeht, dass die Lösung in einem schlummert. Denn der*die Beraterin ist nicht in der Lage, die Komplexität, die hinter solchen Problemen steht, vollends zu überblicken. Gruppen und Organisationen werden als Systeme verstanden, das heißt als „Elemente“, die durch Beziehungen miteinander verbunden und in ein Umfeld eingebettet sind. Verhalten oder Persönlichkeiten werden nicht über einfache Ursache-Wirkungs-Beziehungen erklärt. Der Blick auf Beteiligte, Strukturen, Beziehungen, Interaktionen und Kommunikation, zu verstehen, dass jedes Handeln und jede noch so verfahrene Struktur Sinn hat, ist ein Grundsatz systemischen Arbeitens. Es geht bei solchen Betrachtungen niemals um Schuld, sondern um das Verstehen, um die Perspektiverweiterung und das Ergründen möglicher Alternativen des Handelns. Die Suche nach veränderten Sichtweisen birgt oft schon Lösungen.

Wer in Thüringen Beratung sucht, findet sie möglicherweise in dieser Übersicht der Demokratieberater*innen aller ZdT-Träger aus Thüringen.

Beratungsverständnis der „ZukunftsFörder*innen“

Kompetenzen

  • Fachkompetenz (Konfliktmanagement oder Antidiskriminierungsarbeit)
  • Methodenkompetenz und -sicherheit
  • Moderierende, vermittelnde Gesprächsposition
  • Problem- und bedarfsorientiertes Arbeiten

Tätigkeiten

  • Stärkung und Umsetzung von Vorhaben im Kontext Demokratieförderung
  • Beratung von Ehrenamt, Hauptamt und Mitgliedern der AWO zu Themen wie Demokratieförderung, Konfliktmanagement, Partizipation und Umgang mit menschenverachtenden Einstellungen und Diskriminierung
  • Weitergabe von Wissen und „Handwerkszeug“ an andere AWO-Mitarbeiter*innen im Rahmen von Beratung, Austausch und Fortbildungen
  • Fachexpertise und Ansprechperson in der eigenen Untergliederung
  • Begleitung von Veränderungsprozessen
  • Konzeption und Erproben von Ansätzen für eine demokratische/ demokratiefördernde Arbeit in der Praxis, die in weitere AWO Einrichtungen übertragbar sind
  • Weiterentwicklung des freiwilligen Engagements
  • Auseinandersetzung mit AWO als gesellschaftspolitischer Akteur im Gemeinwesen

Haltungen

  • Eigeninitiative und Engagement zeigen
  • Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit
  • Selbstbewusstes Auftreten
  • Proaktiven Kontakt zum Projektteam halten
  • Interesse an fachlichem Austausch und Weiterqualifikation
  • Sensibilität für das eigene Verhalten und die Bereitschaft zu Selbstreflexion besitzen

Angebote des Projektes

Über die Ausbildung von ZukunftsFörder*innen hinaus stellt das Projektteam Begleitung, Beratung und Fördermittel für themenverwandte Projekte zur Verfügung. Zur Begleitung gehören unter anderem weitere Fachtage, in denen das gelernte Wissen ergänzt, vertieft und aufgefrischt werden soll.

Workshopthemen

Als Plattform zur Gestaltung von Demokratie und Teilhabe beraten und begleiten wir Einzelpersonen und Einrichtungen des AWO Landesverbandes Thüringen und seiner Untergliederungen. Wir bieten Ihnen und Ihrem Team die Möglichkeit sich in folgenden Themenfeldern tiefergehend zu informieren, beraten oder auch weiterbilden zu lassen:

  • Ideologien der Ungleichwertigkeit erkennen und entgegenwirken
  • Sensibilisierung im Umgang mit Vorurteilen
  • Rechte Szene, Neue Rechte – Bedeutung und Hintergründe
  • Argumentations- und Handlungstrainings
  • Aktivierung und Beteiligung von AWO im Gemeinwesen
  • Projektmanagement
  • Verbandsentwicklung
  • Vielfaltsensible Kommunikation

Workshops & Fach-Inputs können selbstverständlich in Absprache bedarfsgerecht und zielgruppenorientiert zusammengestellt und durchgeführt werden.

Mini-Projekte

Das Projekt „ZukunftsChancen – Ausbau Demokratie Fördernder Strukturen bei der AWO Thüringen“ gewährt für den Zeitraum 2020 bis 2024 eine Förderung für Mini-Projekte (max. 500 € pro Mini-Projekt) in AWO Einrichtungen zu folgenden Themen:

  • Rassismus
  • Diversitätsförderung
  • transkulturelle Öffnung
  • Vorurteilsbewusstsein
  • Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
  • Partizipation

Ziel soll es sein, Hauptamtliche und Ehrenamtliche in den Strukturen der AWO in Thüringen und ggf. zukünftige Ehrenamtliche anzuregen, sich aktiv mit den Themenkomplexen Vielfalt und menschenverachtende Einstellungen zu beschäftigen und eine Auseinandersetzung mit diesen Themen in der Einrichtung/ Gliederung voranzutreiben.

Kontakt und Vernetzung

AWO Landesverband Thüringen e. V.

Juri-Gagarin-Ring 68-70
99084 Erfurt

https://www.awo-toleranz.de/

https://awothueringen.de/

Tel. 0361 511 496 27

E-Mail: awo-toleranz@awo-thueringen.de

Ansprechpartnerinnen

Die Kolleginnen des Projekts setzten sich in ihrer Arbeit ständig mit den Themen Demokratisierung und Antidiskriminierung auseinander. Wir bündeln Bedürfnisse und Erfahrungen und tragen durch unser Fachwissen dazu bei, die AWO in Thüringen zu einem Ort für alle zu machen.

Nadja Körner – Projektleitung

E-Mail: nadja.koerner@awo-thueringen.de

Tel. 0361/511 596 27

  • Koordination
  • Netzwerkarbeit

Laura Kleb – Referentin

E-Mail: laura.kleb@awo-thueringen.de

Tel. 0361/511 596 26

  • Veranstaltungsplanung
  • Lokale Kooperationen

Antje Piehl – Referentin

E-Mail: antje.piehl@awo-thueringen.de

Tel. 0361/511 596 37

  • Begleitung der ZukunftsFörder*innen
  • Öffentlichkeitsarbeit

Pauline Schröder – Jugendverbandsreferentin

E-Mail: pauline.schroeder@awo-thueringen.de

Tel. 0361/511 596 36

  • Ausbau demokratischer Strukturen im Jugendverband
  • Ansprechpartnerin für Mini-Projekte

Unser Team besteht aus noch viel mehr Menschen als die hier vorgestellten. Insbesondere die Vertreter*innen in den Kreisverbänden und die ZukunftsFörder*innen sind für den Erfolg der Maßnahmen vor Ort unerlässlich.

AWO TH_Projektbroschüre_Demokratie_2020_web_kl
Projektbroschüre

In der Projektbroschüre werden Veranstaltungsbeispiele mit unterschiedlich hohem Aufwand und Schwierigkeitsgrad aus verschiedenen Einrichtungen der AWO in Thüringen vorgesellt. Die sollen zum Engagement für Vielfalt, Toleranz und Menschenrechte inspirieren. Dazu finden sich auch wertvolle Tipps und Check-Listen für die Vorbereitung und Umsetzung von Veranstaltungen.

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