Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz sind die demokratischen Grundwerte der AWO. Sie haben ihren Ausgangspunkt im freiheitlich-demokratischen Sozialismus und sie bestimmen auch heute das Handeln der AWO.
Der Begriff „Solidarität“ stammt ursprünglich aus dem römischen Recht, in dem das Adjektiv „solidus“ die Bedeutung von „zuverlässig, moralisch begründet“ annahm und im Schuldrecht verankert war. Wer im Römischen Reich über seine Verhältnisse lebte, konnte sich zumindest theoretisch auf die Hilfe der anderen verlassen. Ein rechtlicher Passus sorgte dafür, dass jedes Familienmitglied für die Gesamtheit der Schulden aufkommen musste – und umgekehrt ebenso die Gemeinschaft für die Schulden des Einzelnen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde dieses Rechtsmodell auf Politik, Gesellschaft und Moral übertragen. Mit der Industrialisierung verkauften Bauern ihr unrentables Land und zogen massenhaft in die neu gegründeten Industriestädte. In der Stadt mussten sie sich allein durchschlagen – entwurzelt, anonym und arm. In diesem Umfeld begannen sich Arbeiter*innen und Bauern zu solidarisieren. Sie kämpften gemeinsam für ihre Forderungen nach Mindestlohn, Arbeitsschutz und Fünftagewoche. Politisch manifestierte sich Solidarität in der Einführung der Sozialgesetze durch Reichskanzler Otto von Bismarck. Sie wurden zu einem Modell, das von vielen Ländern übernommen wurde.
„Solidarität bezeichnet ein Prinzip, das gegen die Vereinzelung und Vermassung gerichtet ist und die Zusammengehörigkeit, d. h. die gegenseitige (Mit-)Verantwortung und (Mit-)Verpflichtung betont. Solidarität kann auf der Grundlage gemeinsamer politischer Überzeugungen, wirtschaftlicher oder sozialer Lage etc. geleistet werden.“
Quelle: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/18209/solidaritaet/
Heute geht es bei dem Begriff Solidarität im Kern um eine spezifische Bindung und Verpflichtung zwischen Menschen. Umgangssprachlich wird damit häufig der Zusammenhalt oder das Eintreten für gleiche Interessen beschrieben. Der französische Soziologe Emile Durkheim (1858–1917) beschreibt Solidarität als: „Zement, der die Gesellschaft zusammenhält“.
Heute sprechen Soziolog*innen von Solidarität, wenn es sich um einen freiwilligen Akt symbolischer oder materieller Hilfe handelt. Dabei ist man ist solidarisch mit denen, die für ihr Recht kämpfen müssen. Gleichzeitig besteht eine gewisse Reziprozität, also die „Erwartung potenzieller Gegenseitigkeit“.
Zum Begriff Solidarität findet ihr unter den folgenden Quellen Hintergrundinformationen:
Solidarität gehörte seit dem frühen 20. Jahrhunderts zu den Wertideen der Arbeiter*innenbewegung, aus der auch die Arbeiterwohlfahrt hervorging. Am 13. Dezember 1919 rief die Sozialdemokratin Marie Juchacz in Berlin den „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt“ innerhalb der SPD ins Leben. Nicht nur die Not der Menschen zu dieser Zeit führte zur Idee einer Arbeiterwohlfahrt. Ziel sollte sein, die stigmatisierende Armenpflege des alten Kaiserregimes abzulösen und die Idee der Selbsthilfe und Solidarität in eine moderne Wohlfahrtspflege hineinzutragen. Die Arbeiterwohlfahrt wurde zur helfenden Organisation für alle sozial bedürftigen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer Konfession.
Die Vision einer gerechten Ordnung von Gesellschaft, Staat und Wirtschaft drückt sich seit der Gründung der AWO im freiheitlichen demokratischen Sozialismus aus. Im 2019 erneuerten Grundsatzprogramm, das die zentrale programmatische Orientierung für den gesamten Verband darstellt, wird der Begriff Solidarität wie folgt gefasst:
„Solidarität entsteht im Miteinander. Sie bedeutet füreinander einzustehen und den anderen zu helfen. Unsere gemeinsame politische Überzeugung ist die Basis für gegenseitige Verantwortung und Verpflichtung. Solidarität kennt keine nationalen Grenzen. Der Staat macht durch Recht Solidarität bindend. Im Zusammenschluss haben die Menschen die Kraft, sich gegen Unterdrückung und Ausbeutung zu wehren. Wer in Not gerät, kann sich auf die Solidarität der Gesellschaft verlassen.“
Solidarisches Handeln stellt also eine Selbstverpflichtung und Handlungsorientierung im Verband dar, deren Einhaltung es fortlaufend kritisch zu hinterfragen und zu überprüfen gilt.
Die fünf Grundwerte der AWO sind Teil des demokratischen Grundverständnisses des Verbandes. Daher liegt es auf der Hand, dass die demokratiestärkende Arbeit der „Zusammenhalt durch Teilhabe“ Projekte (Z:T) auch stark Bezug nimmt auf die fünf Grundwerte der AWO.
Im Rahmen der Z:T Projekte werden beispielsweise Workshops angeboten, die eine Auseinandersetzung mit den AWO-Werten bei Haupt- und Ehrenamtlichen fördern. Darüber hinaus ist in den Projekten die Reflexion über die AWO-Werte ein fester Bestandteil in den Aus- und Weiterbildungen von verbandsinternen Ansprechpersonen für Demokratiestärkung und Extremismusprävention – sogenannten Berater*innen. Neben den spezifischen Qualifizierungsangeboten zur Auseinandersetzung mit den AWO-Werten gehört auch die Implementierung in bereits bestehenden Formaten zu den Ansätzen zur Förderung einer gelebten Auseinandersetzung mit den AWO Werten in den AWO-Strukturen. Dazu gehören beispielsweise Willkommens-Events für neue Mitarbeitende.
Die AWO in Schleswig-Holstein hat beispielsweise das Kennenlernen und das Gespräch über die AWO-Werte im Rahmen von „Welcome-Events“ für neue Mitarbeitende etabliert, nachdem es durch das Projekt „MitWirkung – im Verband!“ initiiert wurde.
Auch andere Projekte bieten auf Anfrage Werte-Workshops an. So hat der AWO Landesverband Sachsen im Rahmen des Projektes „MitWirkung“ beispielsweise unter dem Titel „Die Werte der AWO – Anspruch und Wirklichkeit“ einen anderthalb bis dreistündiges Workshopkonzept im Angebot. Hier dreht sich alles um die Grundwerte der AWO. Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit werden im Alltag erst verständlich und greifbar, wenn sie auf konkrete Situationen bezogen werden können. Über die Diskussion und Reflexion der eigenen Erfahrungen und Erwartungen sollen in dem Workshop Ansätze für die Umsetzung der Leitsätze in der Praxis gefunden werden, um so die demokratischen Werte zu festigen.
Das Projekt „AWO l(i)ebt Demokratie“ des AWO Landesverbandes Bayern hat im Rahmen von Willkommenstagen für neue Mitarbeiter*innen, bei einem Wochenende für Ehrenamtliche und bei Schulungen für KITA-Leitungen in diesem Jahr mehrere interaktive Werte-Workshops durchgeführt. Dabei ging es zunächst darum, neben der AWO-Definition die Werte mit verschiedenen Leitfragen für sich persönlich greifbarer zu machen, auch um die eigene innere Haltung zu reflektieren. In Bezug auf den Wert Solidarität waren das z.B. folgende Leitfragen: Was verstehen Sie unter Solidarität? Wie kann man selbst Solidarität zeigen? Wann fanden Sie sich das letzte Mal solidarisch? Wann das letzte Mal unsolidarisch? Im nächsten Schritt wurde dann unter Berücksichtigung des Grundsatzprogramms das professionelle Handeln und der Wert Solidarität als Rahmenbedingung für die eigene qualitätsvolle Arbeit in den Fokus genommen: Welche Bedeutung hat Solidarität für Ihr berufliches Handeln? Wo ist dieser Wert in der Praxis besonders wichtig? Wo ist die Verwirklichung des Werts schwierig?
Das Projekt „Gemeinsam.Demokratisch.OhneGrenzen“ der AWO Mittelrhein veranstaltet aktuell die Online-Reihe zu den AWO-Werten „Was bedeutet eigentlich…?“ Am 29. August fand ein Online-Austausch zum AWO-Wert „Solidarität“ statt.
Darüber hinaus hat das AWO Z:T Netzwerk die Demokratainment Methoden veröffentlicht, die unterschiedliche, niedrigschwellige Anknüpfungspunkte bieten, um die AWO-Werte in den Mittelpunkt gemeinsamer Diskussionen im Team, bei Veranstaltungen und anderer Anlässe zu stellen. Demokratainment, das sind einfache Methoden, die ohne viel Aufwand und große Vorkenntnisse bei unterschiedlichen Anlässen in der AWO vor Ort eingesetzt werden können, um unterschiedliche Facetten von Demokratie zum Thema zu machen. Die Methode „Wertebalken“ bietet z.B. die Möglichkeit niedrigschwellig über die AWO-Werte in den Austausch zu kommen.
Der Wert Solidarität spielte kürzlich bei einer ganz besonderen Aktion des Z:T Netzwerks in der AWO eine zentrale Rolle. Initiiert durch das AWO Z:T Projekt „Zukunft mit Herz gestalten“ der AWO Dortmund wurde eine bundesweite Solidarisierungs-Aktion gestartet. Hintergrund waren die Vorfälle an einer Schule im brandenburgischen Burg. Im April hatten die Lehrkräfte Laura Nickel und Max Teske aufmerksam gemacht auf das Rechtsextremismusproblem an ihrer Schule in Form eines Brandbriefes. In dem Brief beschreiben sie tägliche rechtsextreme Vorfälle wie Hakenkreuzschmierereien, Hitlergrüße und rassistische, sexistische und homophobe Anfeindungen an ihrer Schule. Außerdem hatten sie kritisiert, wie selten Kolleg*innen oder die Schulleitung dabei einschreiten. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Nach der Veröffentlichung des Brandbriefes hatten sich zahlreiche weitere Schulen mit ähnlichen Meldungen über die Normalisierung von Rechtsextremismus in der Region an die Öffentlichkeit gewandt.
Über den Brandbrief, die Situation in der Region und über die Konsequenzen gab und gibt es eine breite mediale Berichterstattung – z.B. in der taz und in dieser Kontraste-Sendung: Ganz normal: Rechtsradikal in der ARD Mediathek
Leider sahen sich Laura Nickel und Max Teske seit ihrem Brandbrief massiven Drohungen aus der rechten Szene und Anfeindungen ausgesetzt und erlebten auch Isolation in Teilen ihres Kollegiums. Das führte dazu, dass sie die Schule inzwischen verlassen und eine Versetzung beantragt haben. Ein Statement zum Weggang der beiden Lehrkräfte aus Burg vom Bündnis Schule für mehr Demokratie findet ihr hier und Infos zum Bündnis „Schule für mehr Demokratie“ findet ihr hier: http://schule-fuer-mehr-demokratie.de/
Inzwischen wurde an der Schule eine neue Schulleitung eingesetzt in der Hoffnung, dass eine Neuausrichtung in der Schulgemeinschaft möglich wird.
Das Projekt der AWO Dortmund nahm die Vorfälle in Burg zum Anlass eine breite Solidarisierungsaktion im Verband zu starten. Ziel war es, mentalen Support zu leisten, denn das Engagement von Max Teske, Laura Nickel und dem Aktionsbündnis in der Region ist und bleibt kein Selbstläufer. Wo antidemokratische, rechte Strukturen stark sind, braucht es Mut und Zivilcourage, um sich dagegen zu positionieren.
Die Aktion wurde vom gesamten Netzwerk der AWO Z:T Projekte mitgetragen und fand zahlreiche Unterstützer*innen im gesamten Verband und darüber hinaus. Mit der Aktion wollten sich die Unterstützer*innen in der AWO mit Max Teske, Laura Nickel, dem Aktionsbündnis und allen anderen Demokrat*innen vor Ort solidarisieren.
So erhielt das unter anderem von Laura Nickel und Max Teske mitgegründete Aktionsbündnis „Schule für mehr Demokratie“ hunderte Postkarten als Zeichen der Solidarität aus dem gesamten Bundesgebiet von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der AWO sowie von weiteren Unterstützer*innen.
Die Postkarten könnt ihr euch hier ansehen.
Wenn ihr Interesse habt, noch eine Karte an das Bündnis zu senden, meldet euch bei uns unter fachstellezdt(at)awo.org.
Eine tolle Aktion hat der AWO Landesverband Sachsen-Anhalt aktuell auf die Beine stellt ist die Kampagne 100 Boote – 100 Millionen Menschen. Hierbei sollen bis zum 20. Juni 2024 einhundert XXL-Origami-Papierboote in der AWO bundesweit gefaltet und am Weltflüchtlingstag in Berlin ein politisches Zeichen für Solidarität mit Geflüchteten gesetzt werden.
Natürlich ist es auch möglich sind mit anderen Aktionen am Weltflüchtlingstag solidarisch mit Geflüchteten zu zeigen und zum Beispiel politische Forderungen zu humaner Asylpolitik zu formulieren und an Bündnissen zu beteiligen. So hat z.B. die AWO Freiwilligenakademie Ostwestfalen-Lippe am 20.06.2023 gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren zur Beteiligung an einer Demonstration aufgerufen, um ein Zeichen für die Rechte von Menschen auf der Flucht zu setzen:
Nach dem Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine rief der AWO Bundesverband zu Solidarität mit Geflüchteten aus der Ukraine auf. Viele AWO Einrichtungen haben seither umfassende Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine umgesetzt. AWO International hat ein Spendenkonto eingerichtet und mit der Volkshilfe Österreich die akute Nothilfe vor Ort sondiert.
Seit Februar 2016 unterstützt AWO International die SOS HUMANITY (vormals SOS Mediterranee), um Menschen in Seenot zu retten. Mehr als 31.000 Menschen wurden bisher gerettet, an Bord versorg und in sichere Häfen gebracht.
AWO International stärkt mit Projekten der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe gezielt Menschen, die von Armut, Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen sind. Das entwicklungspolitische Bildungsangebot von AWO International nimmt Herausforderungen und Chancen der Globalisierung in den Blick und gibt Impulse für ein werteorientiertes, nachhaltiges Handeln in der AWO. Entwicklungspolitische Bildungsarbeit sensibilisiert über globale Abhängigkeiten und Zusammenhänge. Sie regt dazu an, über verantwortliche und zukunftsfähige Handlungsweisen nachzudenken. Das entwicklungspolitische Bildungsmaterial AWO-Werte Global Gedacht wirft einen globalen Blick auf unsere Verbandswerte. Der Reader gibt Impulse, wie bei Aktionen, Veranstaltungen und Bildungsangeboten globale Missstände veranschaulicht und haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen mobilisiert werden können, um sich basierend auf unseren Werten für eine gerechte, nachhaltige globale Entwicklung und gerechte Beziehungen zwischen dem Globalen Norden und Süden einzusetzen.
Erdbeben, Vulkanausbrüche, Wirbelstürme und Dürren: Im Gegensatz zu Deutschland, sind die Menschen in Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, Opfer von extremen Naturkatastrophen und Extremwettereignissen zu werden. Besonders Menschen mit Behinderung sind weitaus größeren Risiken ausgesetzt und unverhältnismäßig stark von Katastrophen betroffen. Sie können sich beispielsweise bei einem Erdbeben nur schwer selbst evakuieren und in Sicherheit bringen.
Das Programm soll in der Region das Katastrophenrisiko von Menschen mit Behinderung verringern und gleichzeitig ihre Resilienz erhöhen. Durch Sensibilisierungskampagnen wird das Thema Katastrophenvorsorge auf die politischen Agenden auf kommunaler, regionaler sowie nationaler Ebene gesetzt. In diesem Zusammenhang sollen auch die Institutionen, die für den Katastrophenschutz in den jeweiligen Ländern zuständig sind, gestärkt und über die Notwendigkeit der Inklusion von Mitmenschen mit Behinderung auf allen Ebenen aufgeklärt werden. Das Programm wird mit fünf Partnerorganisationen seit 01.11.2020 bis 31.01.2024 umgesetzt: Konsortium aus AWO International, ASB und CBM mit lokalen Partnern ACOPEDIS (Guatemala) und CORDES (El Salvador). Dabei werden Trainings und Sensibilisierungskampagnen, Katastrophenschutzübungen, barrierefreie Baumaßnahmen und viele weitere Maßnahmen umgesetzt.
Die Philippinen gehören zu den größten Fischproduzenten der Welt. Kommerzielle Fischereiflotten räumen die Meere leer, bedrohen die Existenz lokaler Fischer und sorgen in vielen Regionen für eine ökologische Katastrophe. Die Kleinfischer gehören zu der einkommensschwächsten Bevölkerungsgruppe auf den Philippinen.
In dem seit 2021 laufenden Projekt zeigt sich AWO International solidarisch und setzt sich für eine Verbesserung der Lebensumstände und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Fischergemeinden ein. Im Projekt geht es insbesondere darum, Zwangsarbeit und Menschenhandel in der Fischereiwirtschaft zu bekämpfen und den Schutz und die Rechte der lokalen Fischer zu stärken. Hierfür entwickelt und stärkt unsere Partnerorganisation Selbsthilfegruppen zum sozialen Schutz von Fischerfamilien, insbesondere Müttern und Ehefrauen, und deren Gemeinden. Damit Opfer von Menschenhandel die notwendige Unterstützung erhalten, ergänzt die Partnerorganisation OND HESED bestehende Sozialdienste der Regierung. So reduzieren wir nicht nur das Risiko von Fischern, in den Menschenhandel zu geraten, sondern auch das Risiko einer erneuten Arbeitsmigration von Opfern. Außerdem setzt sich OND Hesed für die Implementierung von Gesetzen und Richtlinien gegen Menschenhandel und verbessere Arbeitsbedingungen in der Fischreiindustrie ein.
Der von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Tag gegen Rassismus geht auf das Massaker des Apartheid-Regimes in Sharpeville/Südafrika am 21. März 1960 zurück. An diesem Tag löste die südafrikanische Polizei eine friedliche Demonstration schwarzer Südafrikaner*innen gewaltsam auf. 69 Menschen starben und Hunderte wurden teilweise schwer verletzt. Als Gedenktag wird der 21. März seit 1966 von den Vereinten Nationen ausgerufen.
Seit 2012 führt die AWO jährlich ihre Kampagne „AWO gegen Rassismus – AWO für Vielfalt!“ im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus durch. Auslöser waren 2012 die Trauer und das Entsetzen, welche die Morde der rechtsextremen Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) auslösten. Die AWO beteiligte sich daraufhin am 21. März 2012 an der Aktion „5 vor 12“. An diesem Tag legten Ehren- und Hauptamtliche um 11:55 Uhr die Arbeit für fünf Minuten nieder und positionierten sich mit Transparenten und Plakaten vor ihren Einrichtungen, um gemeinsam ein öffentliches Zeichen gegen Rassismus und für demokratische Werte zu setzen.
Als Organisation der Zivilgesellschaft sieht sich die AWO in der Pflicht, öffentlich gegen Rassismus Stellung zu beziehen. Rassismus und Rechtsextremismus widersprechen den Werten der AWO. Aufgrund eigener historischer Erfahrungen und unserer demokratischen Grundüberzeugung stellen wir uns gegen jede Vorstellung, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder ihres Glaubens hierarchisiert und ausgrenzt. Auch in Zukunft werden wir uns daher in der AWO rund um den Internationalen Tag gegen Rassismus mit vielfältigen Aktionen solidarisch zeigen mit Menschen, die Rassismus erleben und Haltung zeigen.
In der solidarischen Unterstützung von Ehrenamtlichen und Geflüchteten geht es auch sehr häufig um die Problematik Rassismus. Geflüchtete werden bedroht und angegriffen, Ehrenamtliche erleben dies mit oder werden ebenfalls angefeindet. Rassismus ist Alltag in Deutschland und ein Problem, das die gesamte Gesellschaft betrifft.
Die AWO führte vor diesem Hintergrund, beginnend mit dem Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März 2018, bundesweit an 20 Standorten des Projektes „Begegnung und Partizipation im Engagement mit Geflüchteten“ eine Aktion durch: Menschen konnten auf großen mobilen Planen ihr persönliches Zeichen gegen Rassismus hinterlassen. Entstanden sind Kunstwerke, aber auch nicht-sichtbares: Kontakte, Gedanken und Austausch über ein Problem, das uns alle betrifft.
Die Wanderausstellung „Unsere Zeichen gegen Rassismus“ wurde seither an vielen verschiedenen Orten eingesetzt. Das Motto: „Weil eine Gemeinschaft nur funktioniert, wenn alle ein bisschen was tun“ passt nicht nur, weil viele Menschen an der Ausstellung mitgewirkt haben, sondern weil sie über das Thema Rassismus deutlich hinausgeht. Auf der Grundlage vieler Aussagen gegen Rassismus auf mehr als 80 handgemalten Plakatwänden ist eine Ausstellung entstanden, die nicht nur ein Zeichen ist gegen Rassismus, sondern auch eines für Vielfalt, Demokratie, Solidarität und Teilhabe. Die Wanderausstellung kann bei der Fachstelle Z:T kostenfrei ausgeliehen werden.
Solidarisches Handeln im Zusammenhang mit den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung
Auch die im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung werden mit den AWO Werten verbunden. Mit der Agenda 2023 für nachhaltige Entwicklung haben sich alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, Armut, Hunger und Klimawandel lokal und global und Ungleichheit und Krieg entgegenzutreten. Die Arbeiterwohlfahrt will einen Beitrag dazu leisten, dass diese Ziele Wirklichkeit werden und allen Menschen heute und in Zukunft ein gutes Leben ermöglicht wird.
Ziel Nummer 8 ist, dass nachhaltiges Wirtschaften und menschenwürdige Arbeit für alle erreicht werden. In der AWO verbinden wir dies mit unserem Wert Solidarität. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen sind seit ihrer Gründung eine Kernforderung der AWO. Dazu arbeitet z.B. AWO International weltweit mit Partnerorganisationen zusammen, um Arbeitsmigrant*innen und Opfer von Menschenhandel zu unterstützen. Zudem arbeiten wir mit Kaffeekooperativen in Nicaragua zusammen, die faire Löhne zahlen und Menschen eine Perspektive geben.
Solidarisch zu handeln kann bedeuten, darauf zu achten, wo die Produkte in den Einrichtungen herkommen. Der Einkauf von über 18.000 AWO Einrichtungen macht einen großen Unterschied! Auf dieser Seite finden sich Informationen und eine große Sammlung konkreter Praxisbeispiele, wie Nachhaltigkeit in Haupt- und Ehrenamt vorangetrieben werden kann.
Solidarität während der Corona Pandemie
Gerade in der Corona Pandemie war solidarisches Handeln eine wichtige Prämisse. Die AWO hat in dieser Zeit vor Ort viele unverzichtbare Projekte und Maßnahmen initiiert und unterstütz, beispielsweise um besonders vulnerable Gruppen zu unterstützen. Ein Beispiel ist „AWO hilft – Solidarität in Zeiten von Corona des AWO Bezirksverbandes Weser-Ems. Hier wurden Menschen vermittelt, die Hilfe benötigt haben und Menschen, die Unterstützung angeboten haben, z.B. um den Hund auszuführen, Einkäufe zu erledigen oder Rezepte einzulösen.